Founder Story · 10. Jun, 2026
Die Frage, die mich nicht losgelassen hat
Wenn ich auf die letzten zehn Jahre zurückblicke, erkenne ich keinen klaren Plan. Keine gerade Linie. Keine Geschichte, in der von Anfang an alles Sinn ergeben hat. Eher das Gegenteil.
Ich sehe Umwege. Entscheidungen, bei denen ich mir nicht sicher war. Phasen, in denen ich dachte, ich müsste eigentlich wissen, wohin mein Leben geht. Und viele Momente, in denen ich dieses Wissen nicht hatte.
Vielleicht beginnt die Geschichte von onelife genau dort. Nicht mit einer Geschäftsidee. Sondern mit einer Frage.
Ein Blick in eine mögliche Zukunft
Vor einigen Jahren arbeitete ich in der Schweiz in einem Finanzjob. Von außen betrachtet war das eine vernünftige Entscheidung. Der Lebenslauf sah gut aus. Die Perspektiven waren gut. Ich machte meine Arbeit ordentlich und bekam positives Feedback.
Es gab keinen dramatischen Zusammenbruch. Keinen Moment, in dem alles auseinanderfiel. Und trotzdem hatte ich immer häufiger das Gefühl, dass etwas nicht zusammenpasste.
Damals hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, einen Blick in eine mögliche Zukunft zu werfen. Nicht auf dramatische Weise. Eher still. Ich sah Menschen, die einige Schritte weiter waren als ich, und fragte mich, ob ich mir ihr Leben eigentlich wünschte.
Die Antwort überraschte mich.
Von außen schien vieles zu stimmen. Karriere, Verantwortung, finanzielle Sicherheit. Und trotzdem merkte ich: Wenn ich einfach weitermache wie bisher, komme ich vielleicht genau dort an.
Zum ersten Mal stellte ich mir ernsthaft die Frage, ob das wirklich die Richtung ist, in die ich gehen möchte.
Heute würde ich sagen: Das war nicht der Moment, in dem sich alles veränderte. Aber es war der Moment, in dem ich aufhörte, bestimmte Fragen zu verdrängen.
Die Frage war schon viel früher da
Eigentlich hat mich das Thema Sinn schon viel länger begleitet.
Nach der Schule entschied ich mich zunächst für ein Wirtschaftsstudium. Das war eine vernünftige Entscheidung. Eine sichere Entscheidung. Eine Entscheidung, die viele nachvollziehen konnten.
Gleichzeitig gab es da immer diese andere Frage: Was möchte ich eigentlich vom Leben?
Mit Anfang zwanzig setzte ich mich eher zufällig in eine Philosophievorlesung. Aus einer Vorlesung wurde eine Prüfung. Aus einer Prüfung ein Semester. Und irgendwann waren sechs Semester vergangen und ich hatte plötzlich einen Bachelor in Philosophie.
Rückblickend hat mich diese Zeit stark geprägt. Ich durfte mich mit einigen der größten Fragen beschäftigen, die Menschen seit Jahrhunderten beschäftigen. Was macht ein gutes Leben aus? Was bedeutet Glück? Was bedeutet Sinn? Wie wollen wir leben?
Ich hatte gehofft, dort Antworten zu finden. Stattdessen fand ich bessere Fragen. Und vielleicht war das wertvoller.
Denn die Philosophie hat mir nicht gesagt, wie ich leben soll. Aber sie hat mir gezeigt, dass viele der Fragen, die ich mir stellte, nicht ungewöhnlich waren. Menschen ringen seit Jahrtausenden mit ihnen.
Erfolg fühlt sich nicht automatisch sinnvoll an
Nach dem Studium gründete ich zwei Unternehmen. Damals fand ich vieles daran attraktiv: die Freiheit, die Selbstständigkeit, die Vorstellung, Gründer zu sein, und die Anerkennung, die damit verbunden war.
Und die Unternehmen waren keineswegs ein Fehler. Ich habe viel gelernt. Über Menschen. Über Wirtschaft. Über Verantwortung. Über mich selbst.
Trotzdem blieb ein Gefühl zurück, das ich lange nicht richtig einordnen konnte. Heute würde ich sagen: Meine Motivation war damals zu einem großen Teil extrinsisch.
Ich wollte etwas erreichen. Ich wollte erfolgreich sein. Ich wollte beweisen, dass ich etwas kann. Das sind nachvollziehbare Motive. Wahrscheinlich kennt sie jeder.
Aber irgendwann merkte ich, dass Erfolg und Sinn nicht dasselbe sind. Man kann Dinge erreichen und trotzdem das Gefühl haben, dass etwas fehlt. Man kann Ziele erreichen und feststellen, dass sie gar nicht die richtigen Ziele waren.
Der Ort, an dem ich nicht wachsen konnte
Der Finanzjob in der Schweiz hat dieses Gefühl noch deutlicher gemacht. Interessanterweise lag das nicht daran, dass ich besonders schlecht in meinem Job gewesen wäre. Eigentlich war ich solide. Die Arbeit funktionierte. Die Ergebnisse passten. Von außen gab es wenig Grund zur Kritik.
Und genau deshalb dauerte es eine Zeit, bis ich verstand, was nicht stimmte.
Ich hatte zunehmend das Gefühl, dass meine Stärken woanders lagen. Dass ich mehr beitragen könnte. Nicht unbedingt mehr im Sinne von Leistung oder Karriere, sondern mehr im Sinne von Übereinstimmung – zwischen dem, was ich gut kann, dem, was mich interessiert, und dem, was mir wichtig ist.
Heute glaube ich, dass viele Menschen dieses Gefühl kennen. Nicht unbedingt als Krise. Eher als ein leises Unbehagen. Als den Eindruck:
- dass man zwar funktioniert, aber nicht wirklich wächst
- dass man zwar arbeitet, aber sich nicht entfaltet
- dass man zwar erfolgreich ist, aber nicht erfüllt
Die erste Kurskorrektur
Irgendwann entschied ich mich für einen Master in Wirtschaftspsychologie. Rückblickend war das keine radikale Kehrtwende. Es war eher eine vorsichtige Kurskorrektur. Ein Schritt näher an Menschen. Ein Schritt näher an Psychologie. Ein Schritt näher an den Fragen, die mich ohnehin schon beschäftigten.
Mich interessierte zunehmend nicht nur, was ich selbst wollte. Mich interessierte auch, warum so viele Menschen mit denselben Fragen ringen. Warum Orientierung manchmal so schwerfällt. Warum Menschen oft lange spüren, dass etwas nicht passt, bevor sie etwas verändern. Und warum manche Menschen ihren Weg scheinbar mühelos finden, während andere jahrelang suchen.
Zehn Jahre Suche
Wenn ich ehrlich bin, war meine eigene Suche alles andere als geradlinig. Sie bestand aus Büchern, Vorlesungen, Gesprächen, Podcasts, Experimenten, Fehlentscheidungen und glücklichen Zufällen.
Und das Wort „glücklich“ ist mir dabei wichtig. Denn je länger ich darüber nachdachte, desto mehr wurde mir bewusst, wie viel Glück in meinem Weg steckte.
- Ich hatte die Möglichkeit zu studieren.
- Ich hatte die Freiheit, mich neu zu orientieren.
- Ich konnte Umwege gehen.
- Ich hatte Menschen um mich herum, mit denen ich über diese Fragen sprechen konnte.
Nicht jeder hat diese Möglichkeiten. Und genau diese Erkenntnis wurde später wichtig für das, was wir mit onelife aufgebaut haben.
Denn immer häufiger fragte ich mich: Warum sollte Orientierung vom Zufall abhängen? Warum sollte man erst nach zehn Jahren, mehreren Studiengängen und verschiedenen beruflichen Stationen langsam verstehen, was einem wichtig ist? Müsste es nicht Wege geben, diesen Prozess zugänglicher zu machen?
Was ich über Sinn falsch verstanden hatte
Lange Zeit dachte ich, Sinn sei etwas, das man finden müsse. Als gäbe es irgendwo die eine richtige Antwort. Den einen Beruf. Die eine Berufung. Den einen großen Purpose.
Je länger ich mich mit dem Thema beschäftigte, desto weniger glaubte ich daran. Heute glaube ich nicht, dass es den einen Sinn des Lebens gibt. Ich glaube, dass es unterschiedliche Sinnquellen gibt.
Für mich gehören dazu Beziehungen – die Frage, wie ich als Freund, Sohn, Bruder oder Partner durchs Leben gehe. Und die Frage, ob ich einen Beitrag leisten kann, der über mich selbst hinausgeht.
Aber diese Sinnquellen verändern sich. Sie verändern sich mit dem Alter, mit Lebensphasen, mit Erfahrungen, mit Verlusten, mit neuen Menschen.
Vielleicht besteht die Aufgabe deshalb nicht darin, den einen Sinn zu finden. Vielleicht besteht sie darin, Bedingungen zu schaffen, unter denen Sinn entstehen kann.
Die Menschen, die mir begegneten
Mit den Jahren begegneten mir immer mehr Menschen, die ähnliche Fragen hatten.
- Menschen, die nicht krank waren.
- Menschen, die nicht unbedingt eine Therapie brauchten.
- Menschen, die funktionierten – und trotzdem nicht genau wussten, wohin sie wollen.
Oft traten diese Fragen in Umbruchphasen auf. Nach einer Trennung. Nach einem Jobwechsel. Nach dem Studium. Mit dreißig. Mit vierzig. Wenn Kinder aus dem Haus gingen. Wenn etwas endete – oder wenn etwas Neues begann.
Dann tauchten plötzlich Fragen auf, die lange unter der Oberfläche geschlummert hatten:
- Was will ich eigentlich?
- Was ist mir wirklich wichtig?
- Wie möchte ich leben?
Und oft hatten die Menschen niemanden, mit dem sie diese Fragen strukturiert bearbeiten konnten.
Die Lücke
Je mehr ich mich damit beschäftigte, desto deutlicher wurde eine Lücke. Therapie ist unglaublich wertvoll. Coaching kann unglaublich wertvoll sein. Aber beides ist für viele Menschen schwer zugänglich: zu teuer, zu aufwendig oder schlicht nicht passend.
Viele Menschen befinden sich in einem Zwischenraum. Sie leiden nicht an einer psychischen Erkrankung. Aber sie fühlen sich orientierungslos. Unzufrieden. Festgefahren. Sie wissen, dass etwas nicht stimmt – aber nicht, was.
Und genau für diese Menschen schien es erstaunlich wenige Angebote zu geben.
Wir bauten die Werkzeuge, die wir selbst gebraucht hätten
Aus diesen Überlegungen entstand später onelife. Nicht als große Geschäftsidee. Nicht als Masterplan. Sondern als Versuch, ein Problem zu lösen, das wir selbst kannten.
Lukas und ich haben viele dieser Fragen selbst durchlebt. Und irgendwann formulierten wir einen Satz, der bis heute vieles zusammenfasst:
We build the tools we would have needed.
Wir bauen die Werkzeuge, die wir selbst gebraucht hätten.
- Werkzeuge für Reflexion.
- Für Wertearbeit.
- Für Orientierung.
- Für die Entwicklung einer persönlichen Richtung.
Nicht, weil wir glauben, die Antworten zu kennen. Sondern weil wir wissen, wie schwer es sein kann, die richtigen Fragen allein zu stellen.
Warum onelife keine Antworten verkauft
Vielleicht ist das der wichtigste Punkt. onelife soll niemandem sagen, wie er leben soll. Wir glauben nicht an Patentrezepte. Nicht an universelle Lebensentwürfe. Nicht an die eine Wahrheit.
Wir glauben vielmehr, dass Menschen oft bereits vieles in sich tragen, was sie brauchen. Was fehlt, ist häufig nicht die Antwort. Was fehlt, ist der Raum. Die Struktur. Die Zeit. Die richtigen Fragen.
Und genau diesen Raum möchten wir schaffen.
Wo ich heute stehe
Wenn mich heute jemand fragt, ob ich meinen Sinn gefunden habe, fällt mir die Antwort schwer. Nicht, weil ich keine Antwort habe. Sondern weil ich die Frage heute anders sehe.
Ich glaube nicht mehr, dass Sinn ein Ziel ist, das man irgendwann erreicht und dann für immer besitzt. Ich glaube, Sinn verändert sich. Er wächst. Er verschwindet manchmal wieder. Er taucht an neuen Orten auf. Und das ist in Ordnung.
Heute versuche ich weniger, die perfekte Antwort zu finden. Ich versuche eher, ein Leben zu gestalten, in dem Sinn entstehen kann. Durch Beziehungen. Durch Verantwortung. Durch Neugier. Durch einen Beitrag für andere Menschen. Und vielleicht ist das genug.
Wenn ich auf die letzten zehn Jahre zurückblicke, sehe ich keine gerade Linie. Ich sehe Umwege, Zufälle, Sackgassen und Entscheidungen, deren Bedeutung ich oft erst viel später verstanden habe. Aber ich sehe auch etwas anderes: Die Momente, in denen ich bereit war, ehrlich hinzuschauen, waren fast immer die Momente, die mein Leben verändert haben.
Vielleicht beginnt Orientierung nicht damit, die richtige Antwort zu finden.
Vielleicht beginnt sie damit, die richtigen Fragen zuzulassen.